2012

(kunst kommt von …)

kunst kommt von können oder kennen her (nosse aut posse), vielleicht von beiden, wenigstens muß sie beides in gehörigem grad verbinden. wer kennt, ohne zu können, ist ein theorist, dem man in sachen des könnens kaum trauet; wer kann ohne zu kennen, ist ein bloßer praktiker oder handwerker; der echte künstler verbindet beides.

johann gottfried herder „kalligone“ (erste belegte formulierung aus dem jahr 1800)

(stillleben)

das leben ist politik, die menschlichen verhältnisse – das alles ist politik. zuerst sind die bilder stumm. allerdings kann ein bild oder eine bildgruppe in einem bestimmten zusammenhang ein politisches moment bekommen.
ich war am 11. september in new york und habe alles noch genau in erinnerung. als ich zwei wochen später wieder in belgien war, kam mir die idee, dass man nur eine idylle malen könnte, und das nicht als historienbild, sondern in der letzten, der unwichtigsten kategorie der malerei: das stilleben. (…) ein stilleben nach nine/eleven ist eigentlich ein ziemlich sardonistischer witz, und das ist im grunde sehr politisch. aber eine moralisierung sollte für immer ausgeschlossen sein.

luc tuymans, 2002

ausstellungsbilder aus willingshausen

hier noch ein paar eindrücke aus unserer ausstellung „ich und die wirklichkeit“:

außerdem kann man hier noch die von anett frontzek gehaltene einführungsrede nachlesen.

(zeit)

aber die zeit … die zeit, die uns erst lähmt und dann beschämt. wir hielten uns für reif, dabei gingen wir nur auf nummer sicher. wir hielten uns für verantwortungsbewusst, dabei waren wir nur feige. was wir realismus nannten, erwies sich als manier, den dingen aus dem weg zu gehen, statt ihnen ins auge zu sehen. zeit … man gebe uns genügend zeit, und unsere fundiertesten entscheidungen scheinen wackelig, unsere gewissheiten bloße schrullen.

julian barnes “vom ende einer geschichte”

(rechtfertigung)

er war intelligenter und seinem wesen nach rigoroser als ich; er dachte logisch und handelte dann nach dem, was sich aus dem logischem denken ergab. wir anderen hingegen tun, fürchte ich, meist das gegenteil: wir treffen eine instinktive entscheidung und bauen uns dann eine infrastruktur von argumenten auf, um diese entscheidung zu rechtfertigen. und das ergebnis nennen wir gesunden menschenverstand.

julian barnes „vom ende einer geschichte“

„ich und die wirklichkeit“ eröffnung

hier ein blick in die ausstellung:


rechts an der wand und vorkopf sind großformatige holzschnitte von uta zaumseil zu sehen, dahinter die text-bildarbeiten von barbara wrede und links vor dem lautsprecher sieht man noch zwei der geschnittenen topographischen karten der schweiz von anett frontzek.

der hessische rundfunk hatte während der eröffnung spass an nahaufnahmen meiner skulpturen (wie man auch schon im fertigen fernsehbeitrag sehen konnte):

ich und die wirklichkeit im fernsehen

es gab einen bericht in der hessenschau (ab min 23:50) zur „eröffnung des kunstjahres“ in willingshausen, zu dem auch unsere ausstellung „ich und die wirklichkeit“ eröffnet wurde — mit o-ton von mir.
außerdem war noch ein artikel in der schwälmer hna.

fotos der eröffnung und der ausstellung reiche ich nach, wenn mal wieder ein bischen mehr luft ist. verweisen kann ich aber auf das blog der mitstreiterin barbara, die schon über die vorbereitungen, die eröffnung und die ausstellunge berichtet hat. ihr text, der als lesung zur eröffnung zum einsatz kam, ist übrigens extrem lesenswert!

es war ein gelungener und manchmal (unfreiwillig) komischer abend.

(ohne gefühle)

heute morgen wachte ich zu einem nie gekannten schrecken auf: ich war ganz ohne gefühle, es war alles weg, es war, als hätte ich etwas, was mir am abend für die nacht zu besonderen sorgfalt anvertraut wurde, auf einmal verloren; ich fand mich wieder wie jemand, der die wache für ein ganzes schlafendes heer übenommen hatte, aber sich auf einmal auf die rätselhaftestes weise erblindet wiederfindet, taub und ausgelöscht. alles war fort. ich war vollkommen leer, ohne schmerz, ohne freude, ohne sehnsucht, ohne liebe, ohne wärme und freundschaft, ohne zorn, ohne haß. nichts, nichts war mehr da, ich, wie eine rüstung ohne ritter darin. es dauerte lange, bis wenigstens so etwas wie ein schreck über mich kam.

werner herzog „eroberung des nutzlosen (camisea, 6. 4. 81)“

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