Textschleife (Fragmente)

StadtRaumBoxen #26
22. Mai – 13. Juli 2025
eine Ausstellung des KulturQuartier Erfurt e. V.
Eröffnung 22. Mai, um 18 Uhr, Artist Talk: Tely Büchner und Susanne Knorr mit Michael Göbel
KulturQuartier Erfurt e. V. ,Klostergang 4, 99084 Erfurt

Mit nun bereits der 26. Präsentation der StadtRaumBoxen startet das Projekt des KulturQuartier e. V. in sein neues Ausstellungsjahr.
Und wir können gespannt sein, auf die Arbeiten von Michael Göbel! Der in Kassel lebende Künstler arbeitet als Bildhauer. Zu seinem Œuvre gehören Installationen, Interventionen und Objekte weit entfernt vom klassischen Begriff der Skulptur. In ihnen beschäftigt er sich oft mit den unspektakulären Relikten unserer Kultur, nimmt verlassene Orte in den Fokus und hinterfragt damit das Verhältnis von Individualität und Gesellschaft. Dafür entwickelt er themenbezogenen Konzepte, arbeitet präzise und detailgenau; nichts überlässt er dem Zufall.
Dieser künstlerische Ansatz findet sich auch in seiner Arbeit für Erfurt. Die Auseinandersetzung mit einem verlassenen Ort, dem ehemaligen Schauspielhaus, das aktuell wieder zu einem lebendigen Kulturort aktiviert wird.
Michael Göbel nimmt Bezug auf die historische Funktion als Theater, aber zugleich auf das, was hier in naher Zukunft anzutreffen ist. Er nutzt – zwar nur als Konstruktionselement – Traversen, wie man sie zum Bühnenbau häufig einsetzt, und integriert sie in den „Bestand“. Ein langes Band, das zu einem Knäul verschlungen ist, windet sich durch die Boxen, verbindet sie. Formal betrachtet, erinnert es an das gefürchtete Chaos, das zu Zeiten, als Tonbänder und Magnetkassetten als Speichermedien dienten, entstand, wenn das Band nicht mehr richtig auf der Spule lag und sich verwickelte.
Das rote Band von Michael Göbel wird durch Text, der ihm eingeschnitten ist, zu einem Bedeutungsträger. Auszüge aus eigenen Aufzeichnungen von verschiedenen Projekten des Künstlers verweigern sich jedoch anders als beispielsweise bei lesbaren Spruchbändern in mittelalterlichen Darstellungen (die in einigen Fällen aus Gebetsmühlen kommen) aufgrund ihres fragmentarischen Charakters, der verworrenen Überlagerung und des Nichtkennens der Textauszüge der:des Betrachter:in der Lesbarkeit. Mit dem Rückgriff auf das besondere Textmaterial bekommt das Individuelle eine Bedeutung, das letztlich jedoch wieder stellvertretend für das Allgemeine stehen kann.
Dieses Band zieht sich wie ein Gedanke, wie ein roter Faden durch die Boxen und entwickelt einen skulpturalen Charakter, der der strengen Ordnung und dem Rhythmus der Kubatur der Vitrinen etwas Spielerisches entgegensetzt.
Vielen Dank den Förderern: Sparkasse Mittelthüringen, Landeshauptstadt Erfurt, Kulturstiftung des Freistaats Thüringen und der Firma Ambion GmbH

LOVE MANIFEST 2025/26
Raum_Welt
Nach oben scrollen