Diagonal
Michael Göbel, Alexander Reich, Erik Schäfer, Günter Stangelmayer, Gerhild Werner
387 Kassel, 2013

Transformatorenturm

Dr. Harald Kimpel Einführung in die Ausstellung (Auszug)
(…) Noch gefährdeter – weil ohne terrestrischen Stützpunkt – hält MICHAEL GÖBEL seine Pseudo-Architektur in der Luft: Auch hier herrscht Hochspannung, denn was uns vorschwebt, ist – abgehängt und abgehangen – ein elektrotechnisches Bauwerk: eine Skulptur, transformiert zu einem Transformatorenhaus, oder umgekehrt: ein Trafo-Häuschen, abstrahiert zur Plastik, farblich monochromisiert in einer jener Un-Farben, die dem Künstler so gut stehen und die alle seine Kunst-Gebilde des naturalistischen Effektes berauben. Und diese verfremdete Funktionsarchitektur ist im Begriff, sich umzuwenden, entwurzelt das Unterste zu Oberst zu kehren, sich auf und davon zu machen. Eine Umwälzung ist hier im Gange: Wer will, mag das als Symbol einer halbherzig vollzogenen Energiewende sehen, als Aufstieg und Fall einer omnipräsenten, zivilisatorisch unerlässlichen, systemrelevanten Energieform.
Doch das Gebilde hat es in sich: Denn mit seiner revolutionären Bewegung gibt Michael Göbels hoch spannendes Hochspannungs-Objekt den Blick in sein Innenleben frei: auf Notizzettel, deren Botschaften allerdings unter der Totaleinfärbung verlorengegangen sind. Was also sind die Fragen, die an diese Nachrichtenzentrale zu richten wären? Welche Antworten hätten wir hier ablesen können? Die Kunst jedenfalls versorgt uns mit keinem konkreten Meinungsbild. Was dieses „Gedankengebäude“ (so der Obertitel der Werkserie, dem diese Arbeit angehört) mitzuteilen hat, bleibt den Besuchern überlassen. Was das Publikum erfahren will, muss es selbst mitbringen. Diese Behausung für Ideen will gefüllt werden, dieser Schacht steht offen für Vorschläge. (…)

Raumfluchten | mit Elke Zauner | Galerie im Artforum, Offenburg | 2014
Sic semper tyrannis | mit Oliver Scharfbier | Pavillon im Milchhof, Berlin | 2013