März 2012

(kunst kommt von …)

kunst kommt von können oder kennen her (nosse aut posse), vielleicht von beiden, wenigstens muß sie beides in gehörigem grad verbinden. wer kennt, ohne zu können, ist ein theorist, dem man in sachen des könnens kaum trauet; wer kann ohne zu kennen, ist ein bloßer praktiker oder handwerker; der echte künstler verbindet beides.

johann gottfried herder „kalligone“ (erste belegte formulierung aus dem jahr 1800)

(stillleben)

das leben ist politik, die menschlichen verhältnisse – das alles ist politik. zuerst sind die bilder stumm. allerdings kann ein bild oder eine bildgruppe in einem bestimmten zusammenhang ein politisches moment bekommen.
ich war am 11. september in new york und habe alles noch genau in erinnerung. als ich zwei wochen später wieder in belgien war, kam mir die idee, dass man nur eine idylle malen könnte, und das nicht als historienbild, sondern in der letzten, der unwichtigsten kategorie der malerei: das stilleben. (…) ein stilleben nach nine/eleven ist eigentlich ein ziemlich sardonistischer witz, und das ist im grunde sehr politisch. aber eine moralisierung sollte für immer ausgeschlossen sein.

luc tuymans, 2002

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