press reviews

Roundabout

St. Martin, Kassel, 2021

Photos: © Nils Klinger

Roundabout

Presse:

HNA, 11. 9. 2021


Art Exchange – Kassel as a guest in Mönchengladbach

Paul Diestel, Slawomir Elsner, Michael Göbel, Andrea Grützner, René Wagner und Nicola André Wagner

Gallery Löhrl, Mönchengladbach, 2019



• Lepidoptera (aus der Serie der Pretiosen)
• Stufen (aus der Serie Gedankengebäude)
• o. T.
• o. T. (Serie: Luna Park)
• o. T. (Serie: Behind)

german press review:

„Kassel zu Gast in Mönchengladbach“, so lautet der Titel der aktuellen Ausstellung in der Galerie Löhrl. Sechs junge Künstler, geboren zwischen 1973 und 1996, alle vertreten von der Kasseler Galerie Coucou, geben in Mönchengladbach Einblick in ihr besonderes, sehr durchdachtes und ästhetisches künstlerisches Werk. Kuratiert wurde die Ausstellung in Zusammenarbeit mit Christian Löhrl von Kathrin Balkenhol und Milen Krastev.
Die sechs Künstler Paul Diestel, Slawomir Elsner, Michael Göbel, Andrea Grützner, René Wagner und Nicola André Wagner, arbeiten auf den Gebieten Fotografie, Bildhauerei und Malerei.(…)
Michael Göbel spielt geschickt mit dem Zeigen und Verstecken. Seine Arbeit „Stufen“ ist eine philosophische Metapher für das Leben des Künstlers. In einer Säule befinden sich Auf- und Abgänge, von außen mehr zu erahnen als zu sehen. „Man vergräbt sich, man versucht zum Kern vorzudringen und dreht sich auch um sich selbst“, erklärt Göbel. Auch seine Schmetterlinge, 80 Kästen mit nachgebauten Schmetterlingen, alles in Schwarz und fast verschwindend, sind metaphorisch zu sehen: Hier verbirgt sich Sammelleidenschaft ebenso wie ein Verstecken derselben. (…)
Sechs Positionen – sechs Einblicke – sechs Überraschungen: eine Ausstellung, die zu besuchen es lohnt.

Sigrid Blomen-Radermacher, Rheinische Post, 7. Mai 2019


Isolation
Marco Di Carlo, Shpresa Faqi, Michael Göbel, Liz Mülleneisen, Maja Oschmann, Maya Sikorska
387, Kassel, 2016


Stufen (from the “construct of ideas” series)

German introduction and a press review:
Karin Thielecke MA Einführung in die Ausstellung (Auszug)
(…) Eine ganz andere künstlerische Position stellen wir mit Michael Göbel vor. Seine themenbezogenen Konzepte beschäftigen sich oft mit den öden Orten, verwaisten Ideen, den verlassenen Plätzen und Überbleibseln unserer Kultur. Mit einer ironischen Grundhaltung beobachtet er in seinen Arbeiten das Spannungsverhältnis zwischen Individualität und Konformität.
Mit “Stufen 1-4” zeigt Michael Göbel nun erstmals eine neue Werkgruppe aus der Serie “Gedankengebäude”, die im hinteren Teil des Raums eine Insel bilden: Vier graugrüne Monolithen, handwerklich präzise und perfekt gearbeitet. Wie sie da stehen wirken sie abweisend und fast hermetisch von der Umgebung abgeschlossen – wären da nicht die wenigen fensterartigen Einschnitte, die einen vagen Einblick in das Innenleben der Quader gewähren. Die Objekte verbergen mehr als sie offenbaren. Der Künstler hat Stiegen und Treppenhäuser fotografiert und exakt als verkleinertes Modell nachgebildet – bis hin zur Andeutung ihrer unterschiedlichen Materialität wie Holz oder Beton.
Es schaudert einen und lässt einen spüren wie sehr sich die medialen Bilder und Narrative in unser Gehirn eingenistet haben. Doch der Künstler beteuert glaubhaft, die Bildvorlagen seien diesmal ganz harmlose Auf- und Abstiege. Es sind herausgeschnittene Blöcke aus der Realität, die mit der Ambivalenz von Innen und Außen spielen. Isoliert im eigenen Gedankengebäude scheint der Ausweg ein eher gefahrenvoller zu sein, scheint die Aufwärtsbewegung zum Licht ein Absturzrisiko zu bergen. (…)

Presse


Raumfluchten
mit Elke Zauner
Galerie im Artforum, Offenburg, 2014

German press-review:
Badischen Zeitung, 24. 2. 2014, Erika Sieberts
Expansive Malerei trifft auf dreidimensionale Kulturkritik
Malerin Elke Zauner und Objektkünstler Michael Göbel zeigen im Artforum ihre gemeinsamen künstlerischen Ansätze. OFFENBURG. Scheinbar spielerisch haben die beiden Künstler Elke Zauner und Michael Göbel in der Galerie des Artforums die Räume bestückt. Leicht und frei kommen die Kunstwerke auf Wand und Sockel daher, als ob man daran weitermalen und weiterbauen könnte. Dabei ist alles streng geplant. Kein Bild von Zauner entsteht aus dem gestischen Strich und kein Objekt stellt Göbel mit schneller Hand zusammen. Die Malerin aus München und der Objektkünstler aus Kassel haben sich bei Symposien kennengelernt und bemerkt, dass sie künstlerisch ähnliche Ansätze haben. Dies ist ihre erste gemeinsame Ausstellung: er, 1973 in Niedersachsen geboren, Studium an der Kunsthochschule in Kassel – sie, 1972 in Bayern geboren, Studium an der Akademie für bildende Künste in München. Da sind die bemalten Wände und Leinwände von Elke Zauner, die quasi über sich hinausmalt. Expansiv sind die Konstruktionen, die sie zunächst auf einer Leinwand anlegt, deren Linien und Farbflächen jedoch den dafür vorgesehenen Rahmen verlassen und sich wie Baugerüste und Kräne über die gesamte Wand verteilen und ihre eigene Architektur schaffen. Perspektivische Fluchten bringen Dynamik, Farbe verleiht den Linien Hierarchie und den Flächen harmonische Muster. Der Betrachter beobachtet von seinem Standort aus den Bau einer Großstadt im Zeitraffer. Stillstand, Eingefrorensein als Gefühlsausdruck, vermitteln die Arbeiten von Michael Göbel. Zwei Modelle bereits ausgeführter Arbeiten liegen wie Opfer einer beendeten Freizeitkultur auf einem Sockel: das Fragment eines Riesenrads und das eines Kettenkarussells. Inhaltlich eine ebenso zufällige wie treffliche Ergänzung zum großen Wandbild von Elke Zauner, das sie Phantasialand genannt hat. Die Eindrücke habe sie beim Arbeiten im Freizeitpark bei Köln gesammelt. Auch das Riesenrad von Michael Göbel hat eine reale Geschichte. Der Künstler bezieht sich auf einen Mitte der 1980er Jahre in Plan befindlichen Rummelplatz in Prypjat, der den Angestellten des Atommeilers in Tschernobyl Abwechslung verschaffen sollte. Das Projekt ist gestoppt worden. Göbel schafft dreidimensionale Objekte und gibt ihnen einen einheitlichen Anstrich. Gleichmachen will er individuelle Erscheinungen, kaum mehr unterscheidbar voneinander – ob es Baukastenelemente sind, die er in seiner eierschalenfarbenen Pförtnerloge zeigt, oder Riesenrad und Karussell. Unter ihrer monochromen Hülle verlieren die Gegenstände ihre Einzigartigkeit. Göbel setzt sich kulturkritisch mit dem Individualismus auseinander. Auf der oberen Etage zeigt er seine Schmetterlingssammlung, die er selbst gebaut und einheitlich geschwärzt hat, ebenso Armbanduhren in offenen Schatullen. So entzieht er den Dingen ihre Daseinsberechtigung als bunte Schönheit oder modernes Designobjekt. Auch zeichnerisch untersucht Göbel die Grenzen des Monochromen. Mit hellen Grautönen auf weißem Papier entwirft der Künstler Stillleben, die ganz subtil ihre Komplexität entfalten.



Bergungen
Petra von Breitenbach, Michael Göbel, Christine Wigge
Bergkirche Wiesbaden, 2013

German introduction and a press-review:
Gabrielle Hattesen Einführung in die Ausstellung (Auszug)
Michael Göbel zeigt themenbezogene Konzepte, die sich oftmals mit Orten beschäftigen, die öde, unbewohnt, scheinbar wesenlos dastehen. Der Künstler zwingt uns quasi zum Betrachten von Szenen danach. Seine skulpturalen Objekte hier in der Kirche sind “ohne Titel”. Was verbergen sie, wer sucht Bergung, wer versteckt sich hier und wovor?
Ölmäntel sind die klassischen Bekleidungsstücke der 1950/1960er Jahre zum Schutz gegen Wind und Wetter; man denkt an Sturm und Unwetter auf hoher See, an Menschen, die den Widrigkeiten der Natur trotzen. kurzum an Menschen in Aktion.
Die beiden gelben Ölmäntel, die Michael Göbel hier präsentiert, sind menschenleer. Die Mantelteile vergraben sich zum Teil in einen “Assoziationsraum”. Der Betrachter empfindet Empathie mit einem nichtexistenten Wesen, das diesen Mantel als Schutz verwendete.
Die Glasfläche lehnt behutsam an der starke Kraft ausstrahlenden Kirchenwand. Wir erkennen auf ihr nur zaghaft einen verlassenen Raum – mit den Gegenständen, die ein karges Leben einer Klause ausmachen: ein Stuhl, ein Bett, Überbleibsel einer Wandgestaltung. Doch alles verbleibt im Bereich der Andeutung, des Ungewissen, der Phantasie, des Nicht mehr– oder Noch nicht-Seienden.
Wiederum ein menschenleerer Ort.
Der Zustand des Nichtmehrseins, das Leere, die Verlassenheit ist Programm des künstlerischem Tuns von Michael Göbel.
Es bleiben nur Gegenstände. In den Sinn kommt einem ein bekannter, auf Baudrillard zurückgehender Satz aus dem Film “die Matrix”: “welcome to the desert of the real”. Willkommen in der Öde der Wirklichkeit. Und in diese Wirklichkeit scheint sich die auf dem Rand des Altars stehende, alles überblickende Figur, das “Alter Ego” des Künstlers, stürzen zu wollen.

Wiesbadener Tageblatt


51°18’49”N 9° 29′ 51”E
Stefan Daub, Michael Göbel, Silvia Götz, Milen Krastev, Diana Kühn, Annegret Luck, Milen Miltchev, Ingmar Mruk, Charlotte Mumm, Jörn Peters, Andrea Schüll, Johannes von Stenglin, Sünje Todt, Daniela Toebelmann, Aylin Uçar, Vesselin Vassilev
Kasseler Kunstverein, 2010

 
works:

Deadlock (Prypjat)
o. T. (Luna Park)

german catalogtext and a press-review:

Bernhard Balkenhol (catalogtext)
Ein Riesenrad auf Raumhöhe geschrumpft und teilweise in die Wand und in den Boden versunken relativiert nicht nur das menschliche Maß sondern auch das Mögliche. Michael Göbels Skulptur „Deadlock“ ist dem Riesenrad in Prypjat nachempfunden. In der russischen Arbeiterstadt des Kernkraftwerks Tschernobyl sollte am 1. Mai 1986 ein Vergnügungspark eröffnet werden, wozu es durch die Reaktorkatastrophe am 26. April des Jahres nicht mehr kam. Seit diesem Tag steht das Riesenrad (wie die gesamte Region) in absolutem Stillstand.
Solche Archäologie von Gegenwart und „versunkener Kulturen“ mag romantisch sein oder sich zu Mahnmalen umkehren, die vor dem Unglaublichen warnen. Michael Göbel geht es um mehr. Denn Ausgangspunkt für die Skulptur sind Informationen und Bilder aus den Medien, die er bereits als eine auf Wirkung spekulierende Auswahl versteht. Er reduziert und glättet sie noch einmal, so dass sie wie exemplarische Modelle verstanden werden können. Farbe, Form und Dimension bekommen symbolischen Charakter und verweisen darauf, dass es sich hier um eine Metapher handelt.
Denn es geht ihm nicht darum, in persönlicher Handschrift die Welt zu kommentieren, vielmehr will er Objekte und Situationen aufspüren – und dann neu erschaffen, die auf grundsätzliche Empfindungen oder Begriffe verweisen, Pattern also, die das besondere Einzelne als das Allgemeine behaupten. Seine Objekte und Orte, auch die auf den Bildern, wollen gar nicht (genau) gesehen werden – so „sauber“ sie auch gearbeitet sind – sie wollen vielmehr die Fläche sein, auf der sich die Projektion der originalen Ereignisse und die der Betrachter treffen.
So kann man seine Zeichnungen, mit leichtesten Graustufen gezeichnet, einerseits als der Realität weggenommene Bilder verstehen und gleichzeitig als Nachbilder im Kopf des Betrachters, der sich bereits abgewendet hat.
Michael Göbel lässt sich in seinen Medien nicht festlegen, macht Zeichnungen, malt Bilder, baut Skulpturen und ganze Räume. Die Hotelanlage („Am Strand“, 2005), das Einfamilienhaus („Zuhause“, 2004) und der Stuhlkreis („Kathedralen“, 2001), Hochsitze („o.T. (Hochstände)“, 2007) oder das Zelt auf dem Floß (in der Installation „wilderness“, 2008) und auch schon die unzähligen Personen aus dem Alltag („Menschen“ / „100 Menschen“, 1997/98), immer sind es konkrete Gegenstände und Prototypen und „endgültige Lösungen“ zugleich.

HNA, 23.01.2010

Bernhard Balkenhol (catalogtext)
Islands
Villages displayed in the landscape resemble small lakes and are energized by roads and lanes. According to the people living there you could also speak of islands. They settled on this piece of land and started building a community. They could be together there and could also be protected from the outside world. The residents of these islands, however, also built their own little islands or hideaways where they could retire to and were sheltered from views and access of other people. Within these hideaways, however, separated or only accessible by stairs you can find even smaller sanctuaries such as a small private room where he/she can be completely on his/her own. Continuing this walk you get to the furniture and finally the clothes and minds – alert or asleep.
“No man is an island” is a proverb. At the beginning of the 17th century the poet and preacher John Donne wrote this sentence and elaborated on it. “Every man is a piece of the continent, a part of the main, if a clod be washed away by the sea, Europe is the less. Any man’s death diminishes me, because I’m involved in mankind.” He wanted to emphasize the importance of each single person within the community and his/her commitment there.
Nevertheless limits are also required. At least this is how Michael Göbel feels about this. He spent 3 months in the small village Willingshausen in the Schwalm where he had been granted a stipend covering his living and labour expenses. He called his exhibition in the local exhibition hall quite ambiguously Islands.
In this exhibition Michael Göbel shows fences, hedges, and gates separating the concerning premises and courtyards. It is difficult to distinguish between the ‘From where’ and ‘Where to’ regarding the flight of stairs he displays. He also reveals illuminated windows at night which draw curious glances like moths to the flame. On his invitation card as well as his poster Michael Göbel shows himself as a stranger approaching the village. With his yellow cagoule this is like being rigged up into an ancient black and white postcard.
These photos are basically all strictly documentary photos. They seize the action emotionlessly and precisely. But they still allow the photographer to show his motivation “to see something” due to his specific detailed visual design, his line of vision, and perspective distortion. The images, however, block the observer’s view and make him/her realize that he/she is still on the outside and actually cannot and is not to see anything.
Michael Göbel used those photos of the various separations in the village as a guide-line for his large-sized drawings. These, however, don’t reproduce the photos with their colourful variety but were done in a nearly invisible grey. Using a marker he turns them without any obtrusiveness into a hachure as though the walls and their natural cover resisted the visibility and actual appearance. The themes melt into a graphic effect and thus transform the picture into a picture of the picture.
Michael Göbel also interpreted the photos of the staircases by reducing them to a simple chiaroscuro and etched this onto glass plates. You have to find a certain angle to clearly experience them at all. When walking up very closely to those plates the picture dissolves into hardly significant opal and shiny areas. Looking at them from a distance again these pictures seem to be a colourless optical reflection on a window also limiting the curious view.
And finally the luminous spots in the dark night, i.e. the windows ablaze with lights. They, too, do not grant any insight. Nobody is to be seen and only the periphery of the privacy is illuminated: the curtains and decoration as an indirect statement and minimized link to the inhabitants.
Thus these windows, staircases and barriers give the impression of being more than a mere theme especially within the artistic processing. The theme is turned into a metaphor by which the reserved objectivity is being personalized. Here the question arises about mankind and his attitude and about the observer’s viewpoint and projections – this being the case despite or because of the obstacles having been put into the observer’s way.
The centre piece of the exhibition was the propped up dance floor which got to the heart of the picture by being objective and realistic. This dance floor with its lampions rises above the hustle and bustle of a village fête – representing an island as well and also inviting to cheerful dancing and hilarious and tender together­ness. But then it is already night and the dance floor in a dark blue shade is empty again, and has shrivelled to half of its size and has partly disappeared into a wall. This image – something like this or on principle – is like an afterthought, a memory of something that has turned into something of the past.

German press-review:

HNA, 25.09.2010, Sandra Rose


German introduction and a press-review:
Barbara Heinrich MA Einführung in die Ausstellung
Michael Göbel (Jahrgang 1973) hat in Kassel Freie Kunst bei Professor Lüthi und Visuelle Kommunikation bei den Professoren Ott und Stein studiert.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind Fotografie, Malerei, Zeichnung und Skulptur, die inhaltlich stets vernetzt sind und auch formal häufig in Form von Installationen zueinander gestellt werden.
Der Titel der Ausstellung “Room with a View”, also etwa “Zimmer mit Aussicht”, deutet das Thema schon an. Das englische Wort “view” hat vielerlei Bedeutungen: Anblick, Ansicht, Aussicht, aber auch Absicht, Anschauung, Auffassung oder Betrachtung, Blick, Vorstellung.
Gemeint ist also nicht nur die Auseinandersetzung mit realen Räumen und ihren formalen Aspekten, also der Blick auf etwas, sondern es geht in Michael Göbels Arbeiten immer auch um Einblicke und Verortungen im Sinne von Ansichten oder Standpunkten.
Michael Göbels Skulpturen, wie die hier ausgestellten Hochstände, sind verkleinert nachgestellte, auf exakter Fotorecherche basierende Rekonstruktionen realer Gegebenheiten. Jeder kennt diese eigenartigen Gebilde der Waldmöblierung, die ihren Nutzern die Möglichkeit bieten unbeobachtet beobachten zu können. Im englischen nennt man sie “Raised Hides”, also erhöhte Verstecke. Der Hochstand ist ein Raum, von dem aus man den Überblick über einen bestimmten geografischen Bereich hat und der seine jeweiligen Nutzer zugleich selbst schützt – eine Art Anonymität in einem öffentlichen Raum.
Im Maßstab 1:6 verkleinert und gleichförmig rosa eingefärbt erstarren nun diese Kleinskulpturen zur ironischen Karikatur ihrer ursprünglichen Versprechungen, denn nun kann jeder Einblick nehmen – der Betrachter hat den Überblick über das Geschehen. Und um genau diese Umkehrung des Blickwinkels, um das Wechselspiel von Verstecken und Zeigen, von Intimität und Öffentlichkeit geht es in Michael Göbels Arbeiten.
So auch in Sauerland Pension, einem Ensemble aus zwei Kopfkissen, die auf einem hölzernen Bord ausgestellt sind. Was sonst nur in der Abgeschiedenheit eines Hotelzimmers dem jeweiligen Mieter (und dem Zimmermädchen) zugänglich ist, wird hier öffentlich gemacht, einschließlich der Gebrauchsspuren.
Dieser Wechsel von Innen- und Außenansicht setzt sich auch in den ausgestellten Zeichnungen fort, die zum einen öffentliche Räume, wie etwa die Poollandschaft einer Hotelanlage, aber auch Innenräume, also intime Interieurs zum Thema haben (in diesem Fall Schlafzimmer). Mit hellgrauem Grafikmarker sind die Sujets in zarter Schraffur aufgetragen. Nur aus der Fernsicht gibt sich das Dargestellte in seiner Gesamtheit zu erkennen. Kommt man näher, lösen sich die Formen in der Schraffur auf und werden transparent, fast durchsichtig.
Wie privat ist der öffentliche Raum? Wie viel Öffentlichkeit verträgt das Private? Welche Einblicke lassen wir zu und welche werden uns gewährt? Wie entstehen Ansichten und wie individuell sind sie? Um genau diese Fragen kreisen die Arbeiten von Michael Göbel.

HNA, 28.3.2008, P. Sommer
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